Ein sehr seltsamer Tag


Zuerst war alles wie immer. Morgens um halb sechs ist Frauchen, müde wie immer, aufgestanden. Kurz danach kam Herrchen aus dem Bett und ist mit mir zum Bäcker gegangen. Aber dann passierte das erste Merkwürdige: ich bekam kein Fressen! "Nanu, was ist denn nun los?" Ich machte mir aber noch keine großen Gedanken. Dann ist Frauchen weggegangen, und Tina kam verschlafen und muffelig in die Küche. Ich dachte mir, daß nun Herrchen und Tina weggehen würden und ich für den Rest des Morgens allein wäre. Aber es kam alles anders:

Tina ging zu diesem komischen Haus, das ihr Großen Schule nennt, und Herrchen blieb zu Hause. Also dachte ich mir: "Na gut, dann werde ich eben noch ein bißchen schlafen." Das wurde mir aber auch nicht gegönnt. Kaum war ich eingeschlafen und träumte von einem süßen Rüden, kam Herrchen an und sagte'. "Komm Bonny, autofahren!" Ich nahm an, das wir nun zu diesem Ort fahren würden, wo ich immer meine vielen Freunde treffe. Doch nein, Herrchen fuhr ganz woanders hin. Er hielt vor einem Haus, das ich zwar kannte, aber nicht besonders mochte. Hier wohnt dieser komische Mann, der mich immer auf einen großen Tisch setzt und unverständliche Sachen mit Herrchen erzählt. Was war heute bloß los? "Oh nein, ich muß da tatsächlich reingehen!" Und dann guckte mich der Mann in seinem komischen weißen Kittel auch noch so erwartungsvoll an und sagte:

"Hallo Bonny, dann wollen wir mal." Aber was wollte er? Ich ahnte Fürchterliches, als er mich auf seinen scheußlich kalten Tisch setzte und ein langes durchsichtiges Ding mit einer Nadel in die Hand nahm. Ängstlich schaute ich Herrchen an. Würde er mir helfen? Aua ! Zu spät, das picksende Ding hatte mich im Nacken getroffen. Der weiße Mann setzte mich wieder auf den Boden. Bittend schaute ich Herrchen an und fragte ihn, ob wir jetzt nach Hause gehen könnten. Aber ihr Großen seid ja leider zu dumm, uns zu verstehen. Also ging Herrchen mit mir in einen anderen Raum, wo außer uns niemand war. Ich legte mich hin und war schon fast eingeschlafen, als der weiße Mann kam und mich ein zweites mal auf den kalten Tisch setzte. Inzwischen hatte ich Angst. Der Mann nahm ein komisches Ding und fuhr mir damit über meine linke Pfote. Er rasierte mein Fell weg und piekste mich wieder, diesmal in die Pfote. "Was passiert da, mir....wird....so....sch....läfr.....ig........."
Wo war ich denn nun? AlA, mein Bauch'. So langsam fiel mir alles wieder ein. Ich war immer noch bei dem weißen Mann, allein. Wo war Herrchen? Ich wollte nicht allein sein. Hilfeeeeeeee! Aber da ging schon die Tür auf, und der weiße Mann kam herein. "Ach unsere kleine Patientin ist schon wach." Ich war beruhigt, wenigstens ein bekanntes Gesicht zu sehen und schlief wieder ein. Da öffnete sich die Tür wieder. Nun war es Herrchen, der herein kam. Ich wollte zu ihm hinlaufen, aber meine Beine versagten. Herrchen kam zu mir, murmelte irgend etwas, was ich nicht verstand, aber es klang tröstlich, und nahm mich auf den Arm. Endlich kam ich hier raus! Er setzte mich in unser Auto, und ich schlief sofort wieder ein. Zu Hause wachte ich auf. Da waren schon Frauchen und Tina. Ich war zufrieden und schlief gleich weiter. Richtig wach wurde ich erst am Nachmittag. Als erstes schaute ich mir meinen Bauch an. Was war das? Mein Bauch war ganz kahl, und mitten darauf klebte ein riesiges Pflaster. Aber sofort kam Tina, streichelte mich und murmelte etwas von Rüden, vor denen ich nun meine Ruhe haben würde. Ich wollte an meinem Bauch lecken,doch Herrchen kam und band mir ein eimerähnliches Teil um den Hals. Das gefiel mir aber gar nicht. Wütend lief ich gegen die Wand. Das Ding wollte ich loswerden. Aber nach längerem Zureden von Herrchen sah ich ein, daß er es für notwendig hielt, daß ich damit schliefe. Da ich sowieso noch müde war, fügte ich mich und schlief ein. Heute, 6 Tage später, geht es mir schon wieder ziemlich gut. Das Pflaster ist zwar noch da und den "Kragen" muß ich auch ab und zu tragen, aber meine Familie sagt mir immer wieder, daß ich bald wieder ganz gesund sein werde und zu meinen Freunden gehen kann.

PS: Diesen Text mußte ich Tina diktieren, da wir Hunde leider nicht schreiben können. Sie hat mir auch erklärt, daß ich nicht krank bin, sondern "kastriert"
wurde. (Was auch immer das heißen
mag.)
Bis bald, Eure Bonny