Geschichte der Hundehaltung

Oder, wie kam der Hund zum Menschen

Menschen und Wölfe, die anerkannten Vorfahren unserer Haushunde sind zum ersten Mal wahrscheinlich vor ungefähr 8.000-15.000 Jahren zusammen gekommen.
Wann genau, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht recht einig.

Wie und warum passierten diese ersten Zusammentreffen ?

Es gibt mehrere Theorien.
Einmal die, daß Menschen und Wölfe bei der Jagd zusammen gearbeitet haben.
Die Wölfe hetzten und stellten ein Rudel von Beutetieren, konnten aber, weil die Tiere zu groß oder zu wehrhaft waren, keines davon töten.
Menschen, die das zufällig miterlebten, töteten ein oder mehrere Tiere und gaben den Wölfen einen Teil der Beute.

Oder die, daß Wölfe von den Abfallplätzen der Menschen angelockt wurden und regelmäßig zu diesen Futterplätzen kamen. Die Menschen hatten dadurch keine Abfälle um ihre Siedlungen herum und wurden dadurch weniger von Ungeziefer geplagt.

Oder die, daß Jäger einen Bau mit jungen Wölfen ausgenommen haben, um diese zu töten und zu essen.
Mitglieder des Stammes konnten die Jungwölfe aber nicht töten (Kindchenschema)
Die Wölfe wurden aufgezogen. Wenn sich Fremde dem Lager näherten, wurde der Stamm durch die bellenden Wölfe gewarnt.

Ganz gleich, ob eine dieser Theorien nun die richtige ist, oder ob es vielleicht eine Mischung von allen gewesen ist:

Der Grund dafür, dass Menschen und Wölfe zusammen geblieben sind, ist wahrscheinlich gewesen, daß beide, Mensch und Wolf einen Nutzen aus ihrer Beziehung gehabt haben.
Diese Beziehung entstand wahrscheinlich ohne Zwang, denn die damaligen Menschen hatten ja noch keine Mittel um einen Wolf ohne seinen Willen bei sich zu halten. Man machte sich also die gegenseitigen Fähigkeiten zu nutze.

Als dann aus dem Wolf der Hund gezüchtet wurde, die älteste Darstellung wahrscheinlich bewusst gezüchteter Hunde ist ungefähr 6.000 Jahre alt, begann der Mensch Hunde zuerst als Jagd und Kriegshunde einzusetzen.

Etwas später kam dann der Hirtenhund als Hüte- u. Herdenschutzhund.

Der Hund war für die Menschen Helfer bei den verschiedensten Arbeiten und Aufgaben, viele Dinge hätte der Mensch ohne seine Hunde wahrscheinlich nicht oder nur erheblich schwieriger leisten können.


Die erste Einteilung der Hunde nach ihrer Funktion, also nach den Aufgaben, für die sie gehalten werden, fand im 16. Jahrhundert statt.
Die Hunderassen wurden in drei Gruppen geteilt:

  • Jagdhunde

  • Gebrauchshunde

  • Gesellschaftshunde

Die offizielle Einteilung der Verbände für Hundezucht, z.B. des VDH, unterscheidet heute zehn Gruppen:

  • Schäferhunde

  • Wachhunde

  • Dienst und Gebrauchshunde

  • Spürhunde für Großwild

  • Spürhunde für Niederwild

  • Vorstehhunde

  • Begleithunde

  • Terrier

  • Dachshunde

  • Windhunde


Früher, das bedeutet bis ca. 1950 wurden fast alle Hunde für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet und gehalten.
Wenn Hunde gehalten wurden, dann weil sie diese bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatten.

Der Hund war damals also mehr „Nutztier“ in dem Sinne, daß er seinem Besitzer bzw. Halter bei der Erfüllung und Verrichtung seiner Arbeit geholfen hat und teilweise sogar eine Arbeit ohne den Hund nicht möglich war.

Schon aus diesem Grunde war das Verhältnis zu den meisten Hunden ein völlig anderes als heute.
Der Mensch stellte sich nicht in dem Maße auf den Hund ein, wie das teilweise heute ist, sondern der Hund hatte seine Aufgaben, ja seine Arbeit zu erfüllen.
Und die meisten Hunde erfüllten ihre Arbeit gern.
Einmal weil es ja die Aufgabe war, für die sie über Generationen hinweg gezüchtet wurden. Das bedeutet, der Hund tat das, was er konnte.


Einige Beispiele:

Vorstehhunde, wie z.B. Setter und Pointer zeigten dem Jäger an, in welcher Richtung das Großwild stand.
Bauhunde, wie der Dackel wurden in Fuchs oder Dachsbau geschickt und trieben den Bewohner des Baus den wartenden Jägern vor die Flinte.
Hütehunde waren den ganzen Tag mit ihrer Herde zusammen.

Und zum zweiten, weil der Hund als Rudeltier ja normal das tut und auch gern tut, was sein Rudelführer von ihm verlangt.
Natürlich nur, wenn es Aufgaben sind, die der Hund physisch und psychisch auch erfüllen kann.

Und drittens wussten die Menschen auch besser Bescheid über den Hund und im Umgang mit ihm.
Weil sie längere Zeit, ja oft den ganzen Tag mit ihren Hunden zusammen waren.
Und weil früher schon kleine Kinder von ihren Eltern, Großeltern oder anderen den Umgang mit Hunden beigebracht bekamen.

Aber mit der Zeit gab es immer weniger Aufgaben für den Hund.

Die Spezialisten, die ja die meisten Hunde waren, wurden, wenn überhaupt, nur noch von ganz wenigen Menschen für die Arbeiten eingesetzt, für die sie gezüchtet wurden.


Die Stellung des Hundes heute

Die meisten Hunde, die heute, auf jeden Fall in Deutschland, gehalten werden, sind reine Gesellschaftshunde. Das bedeutet, sie sollen ihrem Menschen Gesellschaft leisten, ihm sein Leben auf eine bestimmte Art verschönern oder bereichern. Hunde, die für die verschiedensten Arbeiten gezüchtet wurden, man kann sagen Spezialisten auf ihrem Gebiet waren, können die Anlagen, die sie seit Jahrhunderten in ihren Genen haben, häufig nicht einmal ansatzweise ausleben.

Der ursprüngliche Arbeitshund, und das waren die meisten, kann oder darf die Arbeit nicht mehr ausführen, für die er Jahrhunderte lang, gezüchtet wurde. Der Hund, der früher seinen ausgefüllten Arbeitstag hatte, teils mit dem Menschen, teils auf sich allein gestellt, langweilt sich. Durch Langeweile können Unarten aufkommen oder sich Neurosen einstellen. Also muss man dem Hund als Ersatz gezielte Beschäftigung anbieten, die ihn körperlich fit hält, geistig fordert und seine Triebe befriedigt.


Oder wenn ein Hund das tut, für das er gezüchtet wurde, wird er vielleicht sogar bestraft.

Beispiele:

Von Wachhunden wurde früher auf einsam gelegenen Höfen verlangt, daß sie Fremde durch ausgiebiges Bellen gemeldet haben.

Heute lebt diese Rasse in einer Wohnsiedlung - Bellen ist unerwünscht.

Herdenschutzhunde sollten ihre Herde gegen alle Eindringlinge verteidigen.

Der Herdenschutzhund heute verteidigt seinen Menschen, evtl. auch gegen Freunde.


Was ist der Hund heute ?

Für die meisten Menschen Partner, Kamerad und Familienmitglied.

Für einige tatsächlich noch Arbeitskamerad.

Und für leider sehr wenige Stärkung des eigenen Ego oder Statussymbol.