Heinrich der Löwe (um 1129 bis 1195)
Herzog von Sachsen (1142 - 1180)
und Bayern (1156 - 1180)

Heinrich wurde als einziger Sohn des Welfen Herzog Heinrichs des Stolzen (1102-1139) von Bayern und Sachsen und Gertrud von Sachsen vermutlich in Ravensburg geboren. 1139 waren Heinrich dem Stolzen seine beiden Herzogtümer aberkannt worden. 1142 wurde Heinrich der Löwe wieder in das Herzogtum Sachsen eingesetzt, blieb aber trotzdem in Opposition zum Königtum und konzentrierte sich zunächst auf den Ausbau seiner Hausmacht in Sachsen.
1147 forderte er vor dem Reichstag zu Frankfurt auch das Herzogtum Bayern zurück. Es wurde ihm verwehrt, woraufhin Heinrich erfolglos den Kampf gegen Kaiser Konrad III. aufnahm. Nach Konrads Tod 1152 belehnte dessen Nachfolger Friedrich Barbarossa 1154 Heinrich den Löwen, seinen Vetter, auch mit dem Herzogtum Bayern (allerdings ohne Österreich, das im Privilegium minus als eigenes Herzogtum für den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott ausgegliedert worden war) und leitete so den staufisch-welfischen Ausgleich ein. Zwischen 1157 und 1159 unterstützte Heinrich den Kaiser auf dessen Feldzügen in Polen und Italien; ansonsten kümmerte er sich primär um Ausbau und Stärkung der welfischen Hausmacht, und zwar vor allem in Sachsen: 1158 gründete er Lübeck; durch diese Stadtgründung sowie durch Verträge mit Schweden, Gotland und Nowgorod förderte er den deutschen Ostseehandel entscheidend. Er baute Braunschweig zu seiner Residenz aus, unterwarf die slawischen Abodriten östlich der Elbe, eroberte Rügen und siedelte in den eroberten Gebieten planmäßig Deutsche an. In Bayern gründete er 1158 den Markt München.







Mit seiner expansiven Territorialpolitik, vor allem im Norden, schuf sich Heinrich zahlreiche Feinde unter den Reichsfürsten; mit kaiserlicher Hilfe konnte er sich jedoch 1168 gegen die Fürstenopposition durchsetzen. Ebenfalls 1168 heiratete er Mathilde, die Tochter König Heinrichs II. von England. 1172/73 unternahm er einen Kreuzzug nach Jerusalem.

 







Auf dem Höhepunkt seiner Macht verweigerte Heinrich dem Kaiser bei dessen Italienzug gegen den Lombardenbund 1176 die notwendige Unterstützung.

Zurück aus Italien nahm Friedrich Barbarossa in Heinrichs Auseinandersetzung mit seinen Gegnern Partei gegen den Herzog; er lud ihn mehrmals nach Landrecht vor Gericht und verhängte 1179, nachdem Heinrich den Vorladungen nicht Folge geleistete hatte, die Reichsacht über den Herzog; 1180 entzog er ihm nach einem lehnsrechtlichen Verfahren die beiden Herzogtümer und eröffnete den Reichskrieg gegen den abgesetzten Herzog. Die beiden eingezogenen Herzogtümer vergab Friedrich neu: Bayern an Otto von Wittelsbach, das östliche Sachsen an die Askanier und das westliche als Herzogtum Westfalen an den Erzbischof von Köln. 1181 gab sich Heinrich geschlagen und ging nach England in die Verbannung. 1189 kehrte Heinrich nach Deutschland zurück und nahm ohne Erfolg den Kampf um den welfischen Besitz wieder auf. 1194 schloss er mit Friedrichs Nachfolger Heinrich VI. Frieden. Heinrich starb am 6. August 1195 in Braunschweig.