Wie sind Sie eigentlich auf den Hund gekommen ?

Könnte es ungefähr so gewesen sein ?

Nun haben Sie also endlich Ihren Welpen zu Hause. Natürlich haben Sie bisher alles richtig gemacht.
Sie haben selber lange überlegt, ob sie für einen Hund die nötige Zeit und Geduld aufbringen können, ob sie es sich zutrauen, ihn zu erziehen, ob sie genug Platz und Geld haben und ob sie auch bereit sind, als Hundehalter vielleicht nicht all die Dinge tun zu können wie bisher, wie z.B. Urlaub, Treffen mit Freunden, Theater und Kinobesuche und ähnliches.

Das alles haben sie sich doch gefragt, oder? Natürlich haben sie auch ihre Familie befragt, und alle haben sich schon lange auf das neue Familienmitglied gefreut. Dann haben sie mit anderen Hundebesitzern gesprochen und mehrere Hundebücher und Zeitschriften gelesen. Nach diesen langen Überlegungen haben sie sich für ihre Traumrasse entschieden.

Dann haben sie lange nach einem verantwortungsvollen Züchter gesucht und sich für den nächsten Wurftermin für einen Welpen vormerken lassen. Sie haben diesen Züchter mehrmals besucht und sich mit ihm unterhalten über die Rasse an sich und seine Hündin im Besonderen, ihr Wesen und ihre Eigenarten. Bei einigen von diesen Besuchen war zufällig auch der Deckrüde mit seinem Besitzer da, und auch mit diesem haben sie lange Gespräche geführt.

Und dann wurde die Hündin endlich gedeckt, und sie konnten gar nicht erwarten zu erfahren, ob sie aufgenommen hat. Dann endlich kam der Anruf, auf den sie schon so lange gewartet hatten. Die Hündin ist trächtig. Jetzt noch einmal gerechnet, wann denn nun der Wurftermin ist. Endlich war es soweit. Die Welpen waren da, Mutter und Kinder wohlauf. Sie konnten sich nach 10 Tagen die Welpen ansehen und haben sich für einen entschieden.

Sie sind noch drei oder viermal beim Züchter gewesen, haben sich informiert, wie die Welpen gehalten werden, wie gefüttert wird und haben sich auch erklären lassen, wann die Welpen wogegen geimpft werden. Und sie haben mit ihrem Welpen gespielt. In dieser Zeit haben sie zu Hause alles für ihren neuen Hausgenossen vorbereitet. Der Schlafplatz wurde eingerichtet, Futter und Wassernäpfe, Halsband und Leine wurden besorgt und auch das Futter, an das ihr Welpe beim Züchter gewöhnt wurde. Außerdem haben Sie sich natürlich noch nach einer Welpenspielgruppe umgehört, wo Prägungsspieltage stattfinden.

Und dann war es endlich soweit.

Morgens sind sie zu ihrem Züchter gefahren, um ihren Welpen abzuholen. Sie haben ein leichtes Halsband und eine passende Leine mitgenommen, eine Schüssel und etwas Trinkwasser. Und für alle Fälle noch ein großes altes Handtuch und etwas Küchenkrepp, falls ein kleines Malheur passiert. Sie haben mit dem Welpen natürlich hinten gesessen und ihn beruhigt, gefahren ist ja ein anderes Familienmitglied. Dadurch hat ihr Hund seine erste Autofahrt auch in angenehmer Erinnerung.

So wie bis hier beschrieben, haben sie es vielleicht selbst erlebt. Nicht unbedingt alles, aber einiges davon. Warum ich das alles schreibe? Weil das alles längst nicht selbstverständlich ist.

Es geht auch anders. Da sieht man einen schönen Hund im Fernsehen, in der Werbung oder auch zufällig beim Spazierengehen. Und dann gibt es auch noch Kleinanzeigen in der Tageszeitung, z.B. Labradorwelpen wie in der Chappi-Werbung. Oder Schäferhundwelpen, sehen aus wie Kommissar Rex. Diese Anzeigen gibt es natürlich auch für andere Hunderassen. Aber an diesen zwei Beispielen kann man einmal durchspielen, wie man nicht auf den Hund kommen soll.

Einen Hund, auch kein anderes Tier, sollte man auf keinen Fall aus einer momentanen Laune heraus anschaffen. Gerade die Werbung macht sich jedoch diese Laune zunutze.

Es ist ja auch nett anzusehen, wenn ein Retriever über eine Wiese läuft und man dabei denkt, wie schön es doch wäre, einen solchen Hund zu haben. Oder, man sitzt gemütlich vor dem Fernseher und sieht zu, wie Kommissar Rex einen Fall nach dem anderen löst.

Aber der Retrieverwelpe, den man sich daraufhin aussucht, wird erst einmal alles apportieren, vielleicht auch Frauchens bestes Paar Schuhe, und damit schwanzwedelnd zu ihnen kommen.

Und der kleine Schäferhund, den man sich daraufhin ins Haus holt, löst noch keine Fälle. Dafür macht er Haufen und Sümpfe in die Wohnung, zerkaut Schuhe und Möbel und schnappt vielleicht sogar nach der Hand, die ihn streicheln will.
Spätestens dann ist es nicht mehr der ach so süße Welpe, den sich die Familie ja so gewünscht hatte. Jetzt ist es plötzlich der böse Schäferhund, der so gar nichts mit dem intelligenten Rex gemeinsam hat. Und dann will niemand den Hund eigentlich gewollt haben. Auf einmal heißt es: "dein Hund ist ja schlecht erzogen". Und dann muß sich ein Mitglied der Familie finden, das die Erziehung des Hundes übernimmt. Hätte man sich doch nur besser informiert.

Aber noch einmal zur Erinnerung: alle, die diesen Artikel lesen, haben sich ja informiert. Und falls Sie von anderen Hundebesitzern gefragt werden, erzählen Sie doch bitte im Interesse der Hunde, wie man es nicht machen sollte. Auch auf die Gefahr hin, daß ihr Gesprächspartner ihnen sagen wird, daß er das schon alles weiß, erzählen sie es ihm trotzdem noch einmal.

Denn leider ist es immer noch zu leicht, sich einen Hund ins Haus zu holen. Es wird nicht der geringste Sachkundenachweis vom zukünftigen Hundebesitzer verlangt. Und weil das so ist, gibt es leider nach diesem zu plötzlich getroffenen Entschluß häufig Probleme.

In diesem Sinne, grüßen sie ihren Hund von mir.


Uwe Bosse